Rede vom Dr. Frank Gruenert

 Hier wieder etwas ganz besonderes:

– die Rede von unserem Mitglied der Bürgerplattform, Dr. Frank Grünert vom 07.10.2014 am Wendedenkmal-

 

Dr

Rede zum 25. Jahrestag der “Friedlichen Revolution” in Plauen 07.10.14

Liebe Plauener, liebe Vogtländer, sehr geehrte Gäste !

Wir feiern heute den für Plauen einmaligen, historischen Tag, der Bedeutung nicht nur für unsere Region hat u. endlich auch in den überregionalen Medien und in der Politik wahrgenommen wird! Mit dem 7. Oktober 89 endete endlich die Schizophrenie des DDR-Alltages. Das heißt: Wir waren in der SED-Diktatur gezwungen, in der Öffentlichkeit die linientreuen Staatsbürger zu mimen und zu Hause und im Freundeskreis haben wir offen Missstände und Unzulänglichkeiten des “real existierenden Sozialismus” diskutiert und darüber geschimpft. Dabei kamen manchem von uns falsche Freunde teuer zu stehen. Wie skurril empfanden wir den Personenkult und das Parteichinesisch der uns Regierenden! Mit Glasnost und Peristroika Gorbatschows ab 1985 wurden die Bürger der Ostblockländer mutiger. Gleichzeitig nahmen die wirtschaftlichen Probleme im 0stblock u. in der DDR zu. Oppositionelle Gruppen entstanden, zunächst unter dem Schutz der Kirchen. Die Unzufriedenheit der Bürger mit Politik und Regierung wuchs. Als sich die bekannten Möglichkeiten ergaben, flüchteten die vorwiegend Jugendlichen aus der DDR. Den emotionalen Höhepunkt bildeten die Züge mit den Botschaftsflüchtlingen aus der bundesdeutschen Botschaft in Praq über Dresden, Reichenbach und PIauen nach Hof. Die Grenze der Leidensfähigkeit der Bürger war erreicht. In Plauen genügte ein Funke der das Fass voller Frust zur Explosion brachte. Dieser Funke war der genial platzierte Zettel mit dem Aufruf zur Demonstration am 7.Qktober 89, an dem sich die Genossen zum Jahrestag der DDR wieder selbst feiern wollten.

Liebe Mitbürger, verehrte Gäste!

Die Plauener haben dem Denkmal hinter uns den Namen “Wendedenkmal” gegeben. Ich finde den Begriff geeignet, kurz und treffend, auch wenn der Begriff “Wende” vom Schöpfer Egon Krenz ganz anders gemeint war. Dank an dieser Stelle nochmals den Service-Gesellschaften und dem Initiator Wolfgang Sachs Im Gegensatz zu Leipzig, Dresden und Berlin steht das vorwiegend bürgerfinanzierte, symbolträchtige und vom vogtländischen Künstler Peter Luban gestaltete Denkmal schon seit 4 Jahren in unserem Stadtzentrum!

Ein Grund für uns Plauener, stolz zu sein!

Liebe Plauener, liebe Vogtländer, verehrte Gäste !

Wir feiern heute ein Jubiläum. In dem Wort steckt das Verb “jubeln”. Haben wir nach 25 Jahren Grund zum Jubeln ?

Ich denke, Ja und Nein ! Die dramatischen Ereignisse vom Herbst 89 bis Frühjahr 90 sind glücklicherweise ohne Blutvergießen vorüber gegangen. Das Wunderbare war anfangs der uns einende Wunsch, das menschenverachtende System der SED, den Unrechtsstaat DDR, zu demokratisieren. Unter dem Schutz der regelmäßig stattgefundenen, gewaltfreien und gewaltigen Samstagdemonstrationen und den lauter werdenden Rufen :

W i r sind das Volk, wir sind e i n Volk und Deutschland einig Vaterland” wurde der Wunsch zum Willen, den SED-Staat zu

beseitigen und die Einheit Deutschlands zu fordern. Die Akteure der “Friedlichen Revolution” kamen aus allen Schichten

der Bevölkerung: Alte u. Junge, Frauen u. Männer, Arbeiter, Angestellte u. Akademiker. Es entwickelten sich im gemeinsamen Ziel Vertrauen und Freundschaften, die bis heute Bestand haben. Es war sicher nicht nur für mich eine wunderbare Zeit. Die Furcht wich dem Glück! Heute ist Plauen erlebbar schöner geworden. Häuserfronten und Straßen sind weitgehend saniert. Die Infrastruktur hat sich deutlich gebessert. Touristen, die unsere Stadt erneut besuchen, sind erstaunt.

Liebe Anwesende !

25 Jahre nach der “Friedlichen Revolution” kann ich nicht umhin, einige Wermutstropfen in den Wein zu gießen-Anfangs in der Euphorie der ersten Stunden haben wir an die “blühenden Landschaften des Kanzlers Helmut KohI geglaubt. Heute hat die historisch mit Maschinenbau und Textilindustrie geprägte Region Plauen/Vogtland, die selbst 40 Jahre Sozialismus überlebt Hatte zusammen mit Chemnitz und Zwickau, die führende Position im Vorkriegsdeutschland verloren. In Plauen gibt es keinen produzierenden Großbetrieb mehr! Die Ursachen sind bekannt, wie auch die Folgen: Hohe Arbeitslosigkeit, 2. Arbeitsmarkt, Hartz IV und die damit verbundene psychische Belastung der Betroffenen und ihrer Familien! Der sächsische Landesentwicklungsplan fördert nahezu ausschließlich die so genannten Metropolregionen Dresden, Leipzig und Chemnitz/Zwickau. Die übrigen Gebiete werden zur Provinz degradiert und verlieren zunehmend die Jugend. Der demografische Faktor wird hier besonders spürbar. Überalterung und Versorgungsprobleme sind die Folgen und betrifft unter anderen Schulbesuch, Einkaufsmöglichkeiten, Kultur u. medizinische Versorgung, also Lebensqualität! Die Kreisfreiheit Plauens wurde im Zuge der sächsischen Verwaltungsreform abgeschafft und Plauen zum Oberzentrum gekürt. Dieses so genannte Oberzentrum hat seitdem eine große Anzahl von Überregionalen Behörden und Ämtern verloren und hat Mühe, das 100-jährige Theater der Stadt selbst in der Fusion mit dem Zwickauer Theater zu finanzieren und zu erhalten! Das “Soziale” in der sozialen Marktwirtschaft ist weitgehend abgeschafft Noch immer ist die Angleichung der Löhne, Gehälter und Renten Ost an West nicht erfolgt, bei gleicher Lebensleistung! Die zunehmende Grenzkriminalität, Autoklau und eine verfehlte Asylpolitik – z.B. die Unterbringung der Asylanten – sind Themen, die die Bürger umtreiben und die zuständigen Behörden überfordern” Sie werden von der Politik mit Reduzierung des Personals der Polizei beantwortet und damit die unbefriedigende Situationen den Rechten überlassen. Und dann wundert sich das offizielle Sachsen über die Stärke der rechten Szene! Die etablierten Parteien buhlen mit Wahlversprechungen um die Gunst der Wähler, um ihre Macht zu erhalten bzw. um diese zu erringen. Wir Bürger haben auch in der neuen Gesellschaftsordnung Grund und das Recht auf die Straße zu gehen, um unseren Unmut zu formulieren !

Liebe Plauener, liebe Vogtländer, liebe Gäste !

Genug der Kritik an den politischen Gestaltern in Sachsen und in der Bundesrepublik. Ich wollte mit kritischen Äußerungen uns die Feiertagslaune nicht verderben. Ich habe mir v o r dem eigentlichen Festakt erlaubt, als Zeitzeugediese kritischen Bemerkungen zu machen. Ich bin trotz allem der festen Überzeugung, dass das Positive, was wir in der “Friedlichen Revolution” Erstritten haben, deutlich das Negative überwiegt Unseren Bürgern, besonders der Jugend, möchte ich mit auf den Weg geben : Die errungenen Freiheiten wie Meinungs- und Redefreiheit, Versammlungs-und Reisefreiheit sind ein wertvolles Gut !

Aber : Man muss seine demokratischen Rechte auch kennen und wahrnehmen!

Mischt Euch ein ! Meldet Euch zu Wort !