Lisa Bechert

Wir brauchen den mutigen und integeren Abgeordneten

Wir brauchen Abgeordnete, die auch unsere sozialen Grundprobleme ernst nehmen und bereit sind, im Sinne der Bürger sich dafür stark zu machen, Abgeordnete, denen wir vertrauen können bei Abstimmungen des Bundestags, in ihrer Arbeit in den Kommissionen und in ihrer gesamten Wirksamkeit. Ihre Qualität ist nicht daran zu messen, wie oft sie einer verarmten Rentnerin, einem Handwerksmeister, einem Niedriglohnempfänger oder einem Schüler die Hand schütteln, sondern daran, wie intensiv sie sich für deren Probleme einsetzen. Jeder von uns weiß, dass ihre schönsten Worte, die uns gelten, oft diametral ihrer Tätigkeit im Bundestag gegenüberstehen. Dort, wo es darauf ankommt, uns zu vertreten, fügen sie sich wie eh und je dem Druck ihrer Fraktion. Dass sie damit wortbrüchig geworden sind, interessiert sie dabei nicht mehr. Kein Wunder, wenn die Bürger im Unklaren sind, wem sie bei der Stimmabgabe ihr Vertrauen  überhaupt noch schenken können und dass immer mehr Bürger beschließen, auf die Stimmabgabe zu verzichten. Der Grund ist der, dass der normale Bürger im Laufe einer einzigen Wahlperiode böse Erfahrungen sammelt und sich ohnmächtig ausgeliefert fühlt:

Die meisten der Politiker entpuppten sich als Meister der Heuchelei. Sie tun nichts, um Ursachen von Schieflagen, die vor jedem Normalbürger offen zu Tage treten, zu beheben. Sie stemmen sich nicht gegen die Aushöhlung unserer Demokratie, unter der die Bürger zunehmend zu leiden haben.  Im Gegenteil! Man könnte meinen, sie wirken als Erfüllungsgehilfen der Finanz- und Wirtschaftsbosse, sie seien zu Steigbügelhalter der Maximalprofiteure unserer Gesellschaft mutiert. Mit der Macht ihrer Funktion vergeben sie Persilscheine für Sklavenhalter. Sie genehmigen deren skrupellose Raffgier und schaffen Voraussetzungen, dass der Mensch bei uns als,,Humankapital” für das stete Wachstum der Wirtschaft auszubluten hat. Sie tun nichts dafür, dass der Umstand umkehrbar wird, dass die Wirtschaft dem Menschen zu dienen hat ! Sie unternehmen nichts Wirksames dagegen, dass Zehntausende Bürger zu staatlichen Bettlern entwürdigt werden, dass unsere jungen Leute Dörfer und Städte verlassen, ins Ausland gehen, – während sie reinsten Gewissens auf Geheiß führender Wirtschaftsexperten dafür plädieren, arme Länder systematisch ihrer Bildungselite zu berauben. Persilscheine – auch für illegale Waffengeschäfte, für zweifelhafte Auslandseinsätze, für Schmiergeldaffären, für Regierungspannen und…und…und. .. Wird es nicht langsam Zeit für uns, – ,,wir sind doch das Volk!*, unsere Politiker, kritischer als bisher, unter unsere Lupen zu nehmen? Zu diesem Zweck darf sich aber unser Wahlrecht nicht nur auf die Stimmabgabe beschränken. Wir müssen lernen, Gebrauch zu machen von unserem Recht auf regelmäßige und konkrete Berichterstattung der Abgeordneten. Dabei verzichten wir gerne auf endlose Pauschaldarlegungen. Wir fordern Transparenz, präzise Angaben über ihre vielseitige und beziehungsreiche Tätigkeit. So kann der Bürger besser einschätzen, wer es von ihnen verdient hat, uns in seinem hohen Amt zu vertreten. Ich bin davon überzeugt, dass diese Art ,,Rechenschaftslegung” auch im Sinne jedes ehrlich aktiven MDB ist. So könnte wieder Vertrauen entstehen, und wir als Stimmvolk der gesamten Republik hätten ein wenig mehr Einfluss darauf, dass unsere Rest-Demokratie nicht ganz und gar zur Diktatur der Finanz- und Wrtschaftsbosse verkommt.

 

Lisa Bechert                                                                     Plauen Juli 2013

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Der große Redner

Er zieht von Stadt zu Stadt und redet.

Gleichen Inhalts. Reiht routiniert Worthülsen an schillemde Phrasen.

Lässt Luftblasen steigen, die noch vor unseren Augen platzen.

Er nennt das ,,Wahlkampf’.

Sein Erguss * ein Blendwerk seiner Fraktion

aus Selbstherrlichkeit, Größenwahn und Arroganz.

Für die anderen seiner Gilde, für alle, von links nebenan,

bleibt nur Hohn und Zuweisung von Schuld.

Sein Redefluss ist unaufhaltsam,

ergießt sich, der großen Flut gleich,

auf alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Macht lächerlich den jahrhundertelangen Kampf um Freiheit und Recht.

Spült hinweg einst elrungene und bewährte Traditionen.

Humanistische Gesinnung liegt als Müll am Uferand.

We sollte im Tosen und Rabatz seines Spektakels

meine Stimme als Bürger noch wahrzunehmen sein?

Siebzig Millionen mal überhört und übersieht er mich!