Landwirte

„Erzeuger trifft Verbraucher“ hieß es gestern bei der von uns organisierten Diskussionsrunde. Viele Landwirte hatten dann auch die Gelegenheit genutzt und den zahlreichen Anwesenden von Ihren Nöten berichtet. Die Presse und ein paar Politiker waren anwesend. Schade, für die Jugend war das Thema offenbar nicht interessant genug.

Wir hatten im Vorfeld schon einige Themen angekündigt, wollten aber, dass die Anwesenden selbst darüber entscheiden können, was ihnen besonders wichtig erscheint. So lasen die beiden Moderatoren, Dr. Jörg Förster und Göran Schricker, die Themen vor, es wurden die Handzeichen gezählt und so war die Reihenfolge nachvollziehbar ermittelt.

Insektensterben war das Thema, das die meisten Leute interessierte.

Göran verwies in diesem Zusammenhang auf die Bürgerbefragung in Bayern.

Darin heißt es, „die Bevölkerung Bayerns fordert mehr Insektenschutz….“

Kritisch, weil selbst Landwirt, ging dann Göran darauf ein: „Fordern ist billig“ so sein provokanter Ansatz. Jeder kann immer irgendetwas fordern, was andere anders machen sollen. „Die Landwirte müssen… und die Landwirte sollen.. „ das ist ihm, einfach zu kurz gesprungen. Wie viele der Fordernden haben denn einen Mähroboter, der das Gras übertrieben kurz hält? Wie viele von denen fliegen in den Urlaub, kaufen immer das neueste Handy, misten die noch gute Kleidung aus, nur um sich mit neuen Teilen dem Trend zu unterwerfen. Jeder könne also auch selbst etwas tun.

Gunter Valtin, Tierarzt, brachte die intensive „Pflege“ der Straßenränder ins Spiel, auch nützt ein Insektenhotel nichts, wenn es beispielsweise in einer Steinwüste steht. Auch von Weichmachern in der Plaste, die verdunsten, in die Atmosphäre gehen und irgendwo zu Boden fallen, gehen große Umweltgefahren aus. Die Weichmacher wirken wie Hormone und führen zur „Verweiblichung“ ganzer Populationen. Nachwuchs bleibt also aus.

Glyphosat:

In Verbindung mit dem Einsatz von Glyphosat zeigt man uns gern Bilder aus Südamerika. Bei uns werden aber ganz andere Mengen eingesetzt und zu ganz anderen Zwecken. Beispiel Südamerika. Genmanipulierte Sojapflanzen sind dort glyphosatresistent. Mittels Glyphosat wird dort dann „nur“, das zwischen den „Nutzpflanzen“ befindliches Unkraut vernichtet. Und das mit Mengen von 8-10 Kg reinen Wirkstoffs pro HA. Hier, unsere Landwirte arbeiten mit max. 1-1,5 Kg reinen Wirkstoffs pro HA und das auch nur wenn es notwendig ist. Hier wird Glyphosat eingesetzt, um beispielsweise zwischen zwei Kulturen „reinen Tisch“ zu machen, die Zwischenfrucht- Begrünen der Fläche- wird dann nahezu vollständig vernichtet. Würde man das mechanisch machen, müsste man viel öfter Hand anlegen, den Boden umgraben würde die Bodenerosion fördern und es würde CO2 aus dem Boden freigesetzt.

Der Einsatz von Glyphosat ist stark zurückgegangen, dennoch ist das nicht der gefährlichste Wirkstoff, der in der Landwirtschaft rumgeistert. Es gibt viel gefährlichere, über die man aber nicht redet. Das führte dann auch zu dem Denkansatz, dass der Chemiegigant lieber heute als morgen das selbst noch produzierte Glyphosat verboten sehen würde, weil der Patentschutz in den USA bereits abgelaufen ist und neues, vor allem aber teureres und eventuell sogar giftigeres Zeugs schon im Lager steht.

Übrigens: die Deutsche Bahn ist der Hauptabnehmer von Glyphosat. Dort wird es aufs Gleisbett gesprüht, durch keinerlei Pflanzen abgebaut und gelangt schon beim ersten Regen ins Grundwasser. Proteste zu der Vorgehensweise hörte ich aber bisher nicht, nur die Landwirte wurden bisher an den Pranger gestellt

Bürokratie:

Nicht unbedingt die Brüsseler Bürokratie macht die Landwirte fertig, es ist der Deutsche Regelwahn, der alles aufwendiger und nahezu undurchschaubar macht.

Direktvermarktung:

Auch wenn es, sei es aus Zeitgründen, aus finanziellen oder einfach aus personellen Gründen, nicht jedem Landwirt möglich ist, einen Bauernladen zu eröffnen, so sollte man sich in der Gegend umsehen und mit seinem Kaufverhalten dazu beitragen, die regionale Landwirtschaft zu unterstützen. Lebensmittel sind Mittel zum Leben, die man aber in den Supernmarktkühltruhen meist nicht in der Qualität findet, die diesem Anspruch gerecht wird.

Saisonal und Regional zu kaufen, war eine wichtige Botschaft. Die Erzeuger würden sich freuen.

Aus diesem Grund habe ich mit den Landwirten vereinbart, dass sie mir Bezugsmöglichkeiten, Märkte, Läden, Verkaufsplätze o.ä. mitteilen. Ich setze es dann hier auf die Seiten. Den Anfang machen die Rohmilcherzeuger.

Danke an die Landwirte, die sich die Zeit genommen haben um uns zu informieren. Danke an die interessierte Bürgerschaft und die beiden Moderatoren, Jörg und Göran, die den Abend informativ und unterhaltsam gestalteten.

 

 

 

 

 

 

Weitere Infos und ein Video der Veranstaltung sind demnächst hier zu sehen.

D.Schlei