friedlich

FP 02.10.2017

 

  ..anders als sonst… warum eigentlich?
Gedanken dazu von Lisa Bechert

 

      Nicht willkommen geheißen
Nicht vor der Lutherkirche, wie sonst, sondern hinter den Kirchenmauern soll sie stattfinden, die Gedenkveranstaltung zum siebenten Oktober 89. Man ist dann unter sich. Erstmalig als Veranstaltung der Stadtverwaltung, der Kirchen und der „bürgerlichen Kräfte“ deklariert.
Kein Wort zur Einladung an die Bevölkerung war in der Zeitung zu entdecken, an jene, die nicht einer etablierten Partei angehören, die in keinem Amt sitzen, keinem Verein vorstehen, nicht einmal die, die 89 auf die Straße gingen und noch leben, wurden aufgefordert zu kommen. Diese einfachen Leute gehören nicht zu den geschätzten „bürgerlichen Kräften“. Ob man von ihnen Widerspruch, Buh-Rufe oder Störungen befürchtete?
Natürlich ist es für die Organisatoren – in Anbetracht der Wahlergebnisse – tatsächlich kompliziert, der politischen Veranstaltung, das entsprechende Gepräge zu geben. Das Schlimme daran, man hatte das gar nicht erst vor
und reduziert auf eine ökumenische Andacht. So ist von vorn herein gesichert: Friede, Freude, Gottvertrauen.
Nur lässt sich damit die schwierige Situation, die Zerreißprobe, in die unsere Gesellschaft getrieben wurde – nicht zuletzt
durch die vieljährige politische Arroganz der CDU, – durchaus nicht lösen.
Allein erinnerungsträchtige und fromme Worte, Kerzenschein und Glockengeläut, können den Anspruch der Plauener an eine notwendige
Erinnerungkultur, die verbunden zu sein hat mit Aufarbeitung und aktuellen Konsequenzen, niemals ersetzen.
So notwendig wie noch nie wird es deshalb für alle demokratisch und progressiv eingestellten Plauener, darauf zu achten,
dass sich die Erinnerung an den siebenten Oktober 89 niemals auslöschen lässt. Damit sie weiter schwelt in unseren Nachkommen,
den jungen Leuten, die ihre Zukunft zu gestalten haben. Sie soll wirken als friedlicher Widerstand, als  Mut  zum Aufbegehren,
als Aufsässigkeit zur Verteidigung unserer Rechte, gegen Gleichgültigkeit und Arroganz bei Politikern, gegenüber allen unlogischen und menschenfeindlichen Entscheidungen zukünftiger Mandatsträger.
Schade, dass sich Stadtverwaltung, Kirchen und die bürgerlichen Kräfte sich nur gegenseitig aufklären können!  
                                                                                                                                     Lisa Bechert